Gesundheitskompromiss: Kinder in Deutschland unerwünscht!

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Gesundheitskompromiss: Kinder in Deutschland unerwünscht!

Beitragvon raulifauli am 04.10.2003 11:53

Gesundheitskompromiss: Kinder in Deutschland unerwünscht!

Berlin, October 2 /PRNewswire/ -- - Bundestag beschließt drastische Patientenbelastung für künstliche Befruchtung

Immer weniger Paare in Deutschland entscheiden sich für Kinder. Deutschland liegt in der Geburtenstatistik an 180. Stelle von 191 untersuchten Staaten - ein Umstand, der sich auch auf die sozialen Sicherungssysteme dramatisch auswirken wird, wie die Rürup- und die Herzog-Kommission bestätigen. Anstatt dieser Entwicklung entgegenzutreten, erschwert das am vergangenen Freitag beschlossene Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) den ungewollt kinderlosen Paaren die Chancen auf eine Behandlung durch künstliche Befruchtung.

Bei der künstlichen Befruchtung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen künftig nur noch 50 % der Behandlungs- und Medikamentenkosten. Ferner wird die zu erstattende Behandlung von 4 auf 3 Zyklen reduziert. Die ansonsten geltende Obergrenze für Selbstbeteiligungen von 2 % des Jahreseinkommens gilt nicht für ungewollt kinderlose Paare bei einer künstlichen Befruchtung.

Künstliche Befruchtung nur noch für Besserverdienende

Hierdurch entsteht eine soziale Schieflage. Durchschnittlich kostet eine Behandlung 2.500 Euro, wobei meist mehrere Behandlungen notwendig sind. Mit mindestens 1.250 bis 3.750 Euro Zuzahlung muss also ein ungewollt kinderloses Paar bei bis zu drei Behandlungen rechnen. Danach muss es die Kosten vollständig selbst tragen. Damit haben nur noch Besserverdienende die Chance auf ein Kind durch künstliche Befruchtung.

Langfristig positive Kostenrechnung bleibt unbeachtet

Auch volkswirtschaftlich hat die neue Regelung Langzeitwirkung. Bereits jede sechste Partnerschaft ist heute ungewollt kinderlos. Jährlich nehmen 200.000 Paare den Rat von spezialisierten Ärzten in Anspruch. Im Jahr 2001 ist bei 40.000 Geburten eine Sterilitätstherapie vorausgegangen. Bei 12.000 Geburten davon - nämlich 1,6 Prozent aller Geburten - handelte es sich um eine künstliche Befruchtung, die die gesetzlichen Krankenkassen insgesamt 120 Millionen Euro kostete. Diese 12.000 Kinder werden im Laufe ihres Lebens ca. 7 Milliarden Euro an die Sozialversicherungen zahlen, davon 1,3 Milliarden Euro an die Krankenversicherung.

Unsolidarisch und familienfeindlich

Der Wunsch nach Kindern ist keine Privatsache, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Die Deutsche Kinderhilfe Direkt und der Wunschkind e.V. fordern die Rücknahme dieser zutiefst unsozialen und familienfeindlichen Pläne. "Viele ungewollt kinderlose Paare wollen sich an der mehr denn je benötigten solidarischen Aufgabe der Erziehung von Kindern beteiligen. Mit dieser Regelung stellt der Gesetzgeber diese Paare gezielt schlechter als den Durchschnittspatienten bei Grippe oder Schnupfen. Werdende Familien dürfen nicht von der Politik im Stich gelassen werden," sagt Dr. Marcus Ostermann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes.

Medizinisch und finanziell mehr als fraglich

Zum Bumerang wird diese Kostendämpfung für die Kassen infolge ihrer dramatischen medizinischen Auswirkungen. Durch die Selbstbeteiligung steigt der ohnehin belastende Erfolgsdruck für die betroffenen Paare. Auch eine Änderung des im europäischen Vergleich sehr restriktiven Embryonenschutzgesetzes, die die Erfolgsaussichten verbessern würde, ist nicht in Sicht. Der Transfer von drei Embryonen statt der empfohlenen zwei ist medizinisch möglich und wird daher vermehrt genutzt werden. Die Konsequenz: Ein erheblicher Anstieg von Mehrlingsgeburten mit dem damit einhergehenden erhöhten gesundheitlichen Risiko für Kinder und Mütter. Dr. Michael Thaele, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren, rechnet mit einer 36 %igen Steigerung der Mehrlingsgeburten und einer daraus resultierenden Kostenerhöhung von 17 %. Im Vergleich zur Geburt eines einzelnen Kindes kostet die nachgeburtliche Versorgung für Zwillinge das Vierfache, für Drillinge sogar das Zehnfache.

Tabuthema Kinderlosigkeit

Die künstliche Befruchtung ist ein besonders leichtes Opfer gesundheitspolitischer Kostendämpfung, da sie nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu ist. "Die betroffenen Paare reden darüber selbst mit Ihren engsten Freunden und Angehörigen nur sehr selten. Auch das Kind erfährt selten von seiner besonderen Entstehungsgeschichte. Bei künstlicher Befruchtung denken die meisten Leute irrtümlicherweise immer noch an Designerbabies, Leihmutterschaft und Klonen. Aufklärung statt weiterer Ausgrenzung ist dringend notwendig," mahnt Gaby Ziegler, Zweite Vorsitzende des Wunschkind e.V., dem Zusammenschluss der Selbsthilfegruppen ungewollt Kinderloser.

Kinder - Humanvermögen oder Kostenfaktor?

Die Feststellung des 5. Familienberichtes zur Zukunft des Humanvermögens findet sich einmal mehr bestätigt: Die Gesellschaft verhält sich indifferent gegenüber dem Umstand, ob junge Menschen Elternverantwortung übernehmen wollen oder nicht. Dieser Sachverhalt lässt sich als Rücksichtslosigkeit moderner Gesellschaften gegenüber der Familie kennzeichnen.

"Es ist unfassbar, dass hier ein Gesetz auf den Weg gebracht werden soll, welches den Kinderwunsch erschwert und diesen letztlich nur Besserverdienern ermöglicht. Es entstehen zudem erhebliche Kostensteigerungen, und es wird billigend in Kauf genommen, dass sich die Risiken für Mütter und Kinder durch einen zu erwartenden Anstieg von Mehrlingsgeburten erhöhen. Wir erwarten von der Politik ein Signal, dass Kinder erwünscht sind und es eine Solidaraufgabe ist, Eltern bei ihrem Kinderwunsch zu unterstützen. Kinder sind unsere Zukunft, kein lästiger Kostenfaktor in der Gesundheitspolitik," betont Georg Ehrmann, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe Direkt.

Web: http://www.dkhd.de/

http://www.wunschkind.de/

Quelle: Deutsche Kinderhilfe Direkt e.v.

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