INTERVIEW: Kein Fall für die Krankenversicherung

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INTERVIEW: Kein Fall für die Krankenversicherung

Beitragvon raulifauli am 03.08.2003 21:10

INTERVIEW: Kein Fall für die Krankenversicherung

24.07.2003 20:24 Uhr

Mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer sprach Michael Schmidt über das Thema „Künstliche Befruchtung“.
Frage: Gibt es ein Recht auf ein Kind?

Hoppe: Nein.

Frage: Aber auf medizinische Behandlung einer Unfruchtbarkeit?

Hoppe: Es muss in jedem Einzelfall von einem Arzt festgestellt werden, ob das notwendig ist. Dann ist die Frage, ob die Krankenkassen das anerkennen, was sie in aller Regel tun.

Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen Kinderwunsch- und Unfruchtbarkeitsbehandlung?

Hoppe: Das ist ganz schwierig zu sagen. Als notwendig von den Kassen anerkannt ist eine Unfruchtbarkeitsbehandlung in aller Regel dann, wenn die Unfruchtbarkeit Folge einer Krankheit ist: wenn eine Frau zum Beispiel nach einer Eileiterentzündung ohne Behandlung keine Kinder mehr bekommen kann.

Frage: Die Gesundheits-Reform-Pläne sehenvor, künstliche Befruchtungen nur noch zur Hälfte von den Kassen zahlen zu lassen. . .

Hoppe: Unfruchtbarkeit ist in den meisten Fällen im strengen Sinne des Wortes keine Krankheit, sondern eine Dysfunktion, die früher als schicksalhaft hingenommen wurde. Mit den wachsenden Möglichkeiten der Medizin hat es hier einen Bewusstseinswandel gegeben, die Ansprüche auf Behandlung sind enorm gewachsen. . .

Frage: . . . das heißt: Wie sieht die Position der Bundesärztekammer in diesem Punkt aus?

Hoppe: Die Erzeugung einer Schwangerschaft ist keine Krankheitsbehandlung, sondern eine familien- und sozialpolitische Angelegenheit. Der natürliche Wunsch eines Paares nach auch bevölkerungs- und familienpolitisch ja gewolltem Nachwuchs ist nichts, was die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten zahlen sollte: Die künstliche Befruchtung ist keine Notwendigkeit, da sie aber für den Einzelnen kaum bezahlbar ist, sollte sie aus allgemeinen Mitteln, also Steuern finanziert werden.

Frage: Was ist aus ethischer Sicht das größte Problem einer künstlichen Befruchtung?

Hoppe: Dass sie in jedem dritten Fall zu Mehrlingsschwangerschaften führen. Da Drillinge kaum eine Chance haben, die Schwangerschaft zu überstehen, wünschen viele Eltern eine Reduzierung: Dann werden zwei Embryonen in einem möglichst frühen Stadium abgetötet.

(KR)
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