unerfüllter kinderwunsch

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unerfüllter kinderwunsch

Beitragvon raulifauli am 16.01.2006 11:13

Unerfüllter Kinderwunsch

Dr. med. Caroline Hoppe, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Ein unerfüllter Kinderwunsch liegt bei etwa 20 bis 25 Prozent aller Paare vor. Es kann verschiedene Ursachen dafür geben wie hormonelle Störungen, oder organische Erkrankungen. Die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch liegen zu je einem Drittel bei der Frau, beim Mann oder bei beiden Partnern gemeinsam. Von Sterilität ist gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst dann die Rede, wenn bei einem Paar nach zwei Jahren regelmäßigen Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eintritt. Regelmäßiger Geschlechtsverkehr bedeutet, dass er mindestens zweimal pro Woche ausgeübt wird.

Falls es auf natürlichem Wege zu keiner Schwangerschaft kommt, hilft bei einigen Paaren hochspezialisierte Medizin wie die künstliche Befruchtung. In Deutschland werden jährlich etwa 30.000 Behandlungen mit der künstlichen Befruchtung durchgeführt.


Warum werde ich nicht schwanger?

Die Wahrscheinlichkeit, in einem normalen Zyklus schwanger zu werden beträgt nur 15 bis 20 Prozent. Allerdings kommt es innerhalb von einem Jahr bei ungefähr 80 Prozent der Paare zu einer Schwangerschaft, sofern keine speziellen Störungen vorliegen. Der optimale Zeitpunkt für eine Empfängnis liegt zwischen dem 11. und 15. Zyklustag, gerechnet ab dem ersten Tag der Menstruation. In diesem Zeitraum findet der Eisprung statt. Nach dem Eisprung ist das Ei noch etwa acht Stunden befruchtungsfähig. Die etwas größere Fruchtbarkeitsspanne zwischen drei und fünf Tagen ergibt sich aus der mehrtägigen Überlebensdauer der Spermien im weiblichen Genitaltrakt.

Ursachen der Sterilität, also der Unfruchtbarkeit der Frau bzw. Zeugungsunfähigkeit des Mannes, können verschiedener Art sein. Dazu zählen:


Ursachen der Unfruchtbarkeit bei der Frau:

Hormonelle Störungen, z.B. der Eierstockfunktion, der Hirnanhangsdrüse, des Stammhirns, der Schilddrüse oder der Nebennierenrinde


Organische Ursachen wie Verschluss der Eileiter, versprengte Gebärmutterschleimhaut (Endometriose), gutartige Muskelgeschwulst der Gebärmutter (Myom), Entzündungen oder Missbildungen der Gebärmutter

Ursachen der Zeugungsunfähigkeit beim Mann:


Hormonelle Störungen der Hodenfunktion, der Hirnanhangsdrüse, des Stammhirns, der Schilddrüse oder der Nebennierenrinde


Organische Ursachen, wie Verschluss der Samenwege, Hodenentzündung als Komplikation von Mumps, Krampfaderbruch im Hoden (Varikozele) oder Hodenhochstand

Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle wie genetische Ursachen, Umwelteinflüsse, Medikamente oder vorhandene Erkrankungen wie z.B. Diabetes.


Ursachen der Sterilität bei Mann und Frau:

In einigen Fällen besteht eine Unverträglichkeit von Samen und Gebärmutterhalsschleim. Hier werden die Spermien von Abwehrzellen (Antikörpern) des Schleimpfropfs zerstört, sodass die Spermien die Eileiter erst gar nicht erreichen. Ob auch psychosomatische Faktoren wie beispielsweise Stress, Ängste oder Partnerkonflikte eine Rolle spielen, ist umstritten.

Bei Kinderwunsch sollte generell übermäßiger Alkohol, Nikotin - und Kaffeegenuss sowie Stress vermieden werden. Es sollte auf eine ausreichende Nahrungszufuhr mit Folsäure geachtet werden, da dies für die Empfängnis und somit die Schwangerschaft eine sehr wichtige Substanz ist.



Was sind Stufenpläne?

Falls es bei Paaren nicht auf natürlichem Weg zu einer Schwangerschaft kommt, wird der Arzt zu Untersuchungen raten, mit deren Hilfe die Ursachen festgestellt werden können. Dies erfolgt normalerweise nach einem Stufenplan. Ziel des Stufenplanes ist es, mögliche Ursachen einzugrenzen, um so den richtigen Therapieansatz für jedes Paar zu finden. Es werden dabei vier Stufen oder Phasen unterschieden:



Erste Phase: Vorgeschichte (Anamnese), gynäkologische Untersuchung, Ultraschall, Zyklusprotokoll, Messung der Temperatur gleich nach dem Erwachen (Basaltemperatur), Geschlechtsverkehr zum optimalen Zeitpunkt, unter Umständen Hormonanalyse, Beurteilung der Spermien im Gebärmutterhalsschleim zwölf Stunden nach Geschlechtsverkehr (Postkoitaltest)


Zweite Phase: Erstellung des Spermiogramms (Menge, Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien), Zyklusüberwachung mittels Ultraschall (Gebärmutterschleimhaut), Hormonanalysen, Geschlechtsverkehr zum optimalen Zeitpunkt. Falls der Postkoitaltest auffällig war und die Eileiter der Frau durchgängig sind, kann eine Insemination (siehe unten) erfolgen.


Dritte Phase: Bei auffälligem Spermabefund in Phase zwei oder verschlossenen Eileitern der Frau in Phase zwei, wird man dem Paar eine künstliche Befruchtung (IVF) empfehlen.


Bei einer sehr schlechten Spermaqualität (weniger als fünf bis zehn Millionen pro Milliliter), oder einer schlechten Spermamorphologie (Aussehen, Form der Spermien) wird eine ICSI- Therapie (siehe unten) empfohlen.



Was ist eine Insemination?

Bei der Insemination wird zum Zeitpunkt des Eisprungs aufbereitetes Sperma mit einer Spritze in die Gebärmutter gespritzt. Aufbereitet bedeutet, dass gute und schlechte Spermien getrennt werden.

Vorteil dieses Verfahrens sind:



Die schlechten Spermien sind gewissermaßen wegsortiert und behindern nicht die guten am Fortkommen.


Der Schleimpfropf im Gebärmutterhals stellt kein Hindernis mehr dar, die genannte Unverträglichkeiten können so umgangen werden.


Die Spermien sind von Anfang an näher am Eileiter, dem Befruchtungsort.


Eine begleitende Hormontherapie wird unter Umständen durchgeführt, um ein optimales Wachstum der Eibläschen zu erreichen.

Die Insemination wird in folgenden Fällen durchgeführt:


Bei einem auffälligen Postkoitaltest: Sind hier nur tote oder unbewegliche Spermien zu sehen, besteht eine Unverträglichkeit.


Bei qualitativ unbrauchbarem Gebärmutterhalsschleim. Dann können die Spermien diesen nicht durchdringen.


Bei einer Spermienqualität, die eine Aufbereitung der Spermien sinnvoll macht, z.B. wenn zu viele schlechte und störende Spermien vorhanden sind.


Es werden zwei Arten der Insemination unterschieden:


AIH (autologe insemination of husband): Hier stammt das aufbereitete Sperma vom Lebenspartner.


AID (autologe insemination of donor): Hier erfolgt die Befruchtung mit Spendersamen. Sie wird durchgeführt, wenn die Spermaqualität des Lebenspartners unzureichend ist oder wenn keine Samenzellen vorhanden sind. Diese Methode wird nicht von den Krankenkassen bezahlt.



Was ist eine künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF)?

Die künstliche Befruchtung, auch In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Reagensglasbefruchtung genannt, wird in folgenden Fällen durchgeführt:



Die Eileiter der Frau sind verschlossen.


Mehrere Inseminationen haben keinen Erfolg gebracht.


Die Spermaqualität ist unzureichend.


Dabei bekommt die Ehefrau Hormone, die mehrere Eibläschen in einem Behandlungszyklus gleichzeitig heranreifen lassen. Diese Eibläschen werden zum optimalen Zeitpunkt durch die Scheide in einer kurzen Narkose abpunktiert. Die gewonnenen Eizellen werden dann im Reagenzglas mit den Spermien des Ehemannes vermischt. Etwa drei Tage später werden dann eine bis maximal drei Eizellen zurück in die Gebärmutterhöhle der Ehefrau gesetzt.

In Deutschland darf die künstliche Befruchtung derzeit nur bei verheirateten Paaren durchgeführt werden.



Was ist die ICSI-Therapie (Intracytoplasmatische Spermieninjektion)?

Bei dieser Methode ist die Vorbehandlung dieselbe wie bei einer künstlichen Befruchtung. Im Labor werden die Spermien nun aber nicht nur mit den Eizellen gemischt, sondern regelrecht in die Eizelle eingebracht.

Die ICSI-Behandlung wird in folgenden Fällen durchgeführt:



Die Spermaqualität ist deutlich eingeschränkt (weniger als fünf Millionen Spermien pro Milliliter).


Zwei Versuche der künstliche Befruchtung sind fehlgeschlagen (so genannte Nullbefruchtungen).


Bei morphologischen Störungen der Spermien. Hat die Kopfregion der Spermien etwa nicht eine bestimmte Form, sind diese nicht in der Lage in die Eizelle einzudringen und können diese nicht befruchten.


Bei der ICSI-Therapie ist eine genetische Untersuchung des Ehepaares im Vorfeld vorgeschrieben.

Die so genannte TESE-Therapie (testikuläre Sperma-Extraktion) wird durchgeführt, wenn keine Spermien im Ejakulat sind. (Dies ist z.B. der Fall, wenn die Samenleiter verschlossen sind. Dabei wird eine Gewebeprobe aus dem Hoden entnommen. Aus den Samenkanälchen werden die Spermien ausgewaschen und gewonnen. Sie können nun für die ICSI-Therapie verwendet werden.



Wie effektiv sind die verschiedenen Methoden?

Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, ist unterschiedlich hoch bei den verschiedenen Verfahren; sie beträgt:



Bei der Insemination 15 bis 20 Prozent


Bei der künstlichen Befruchtung je nach Anzahl der zugeführten Eizellen fünf Prozent (eine Eizelle) oder 15 bis 20 Prozent bei zwei Eizellen und bei drei Eizellen 20 bis 30 Prozent.


Bei der ICSI-Therapie ist die Wahrscheinlichkeit die gleiche wie bei der künstlichen Befruchtung.


Nach viermaliger künstlicher Befruchtung oder ICSI-Therapie liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zwischen 50 und 60 Prozent


Die Wahrscheinlichkeit, Mehrlinge zu bekommen, beträgt bei der künstlichen Befruchtung und der ICSI-Therapie etwa fünf Prozent. Dies ist dann der Fall, wenn mehrere Eizellen verwendet werden.

In Deutschland liegt die so genannte Baby-take-Home-Rate (das heißt, die Rate der Paare, die auch wirklich Eltern werden) bei 13 bis 15 Prozent.

Quellen
Pfleiderer, Breckwoldt, Martius: Gynäkologie und Geburtshilfe

Deutsches IVF-Register

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe


Redaktion Dr. med. Katharina Larisch
http://www.netdoktor.de/sex_partnerscha ... chtung.htm
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